DJV-Bonn > Archiv > Meldungen > Oktober 2011: Radio-Angebot der Deutschen Welle drastisch gekürzt

2011 wurden 10 Sprachen aus dem Radio-Angebot der Deutschen Welle genommen:

Arabisch, Belorussisch, Bulgarisch, Deutsch, Hindi,
Kroatisch, Persisch, Russisch, Serbisch, Ukrainisch


- Radikale Kürzungen des Radioangebots der Deutschen Welle
- Dadurch ist die DW nicht mehr wirklich trimedial.

- DJV dokumentierte das Ausschalten mehrerer Radioangebote – siehe Video

Zehn Sprachen hat die Geschäftsleitung der Deutschen Welle 2011 im Radio verstummen lassen, zuletzt Ende November ihre arabischen Livesendungen. Von einmal fast 30 Sprachangeboten bleiben hauptsächlich nur noch Ausstrahlungen für afrikanische Länder erhalten.

Redaktionelle und technische Jobs fallen weg. Hörfunkstudios liegen oft still. Redaktionsräume sind teils verwaist. Freien KollegInnen werden leise Einschränkungen oder Beendigungen ihrer Mitarbeit angekündigt. Manche angestellten KollegInnen mit befristeten Verträgen erhielten keine Verlängerungen.

Der übriggebliebene Anteil am Radio-Angebot liegt bei nur 13 Prozent - im Vergleich zu den 2004 angebotenen 2.859 Sendestunden pro Woche. Mit der Zeitumstellung Ende Oktober 2011 sind circa 385 Sendestunden pro Woche geblieben. Für die 54.5 Millionen Hörfunkrezipienten, die die Intendanz bis 2010 öffentlich geschätzt hatte, gingen viele Angebote verloren.

Neben dem Angebot über Kurzwelle betrifft dieser Abbau auch Sendungen, die weltweit über Satellit und digital im Internet für Partnerstationen aufrufbar waren. Durch die Einstellung des deutschen Programms z.B., ging die dafür genutzte Frequenz für Europa und den Mittelmeerraum, 6075 KHz, an Radio Vatikan. Der finnische Sender YLE Mondo übernahm ab November eine deutschsprachige Sendestunde von „NDR Info.“  Das englische Programm von DW-Radio verlor Ende Oktober u.a. seine Hauptsendung „Newslink", die mehrere Rebroadcaster vor Ort, überwiegend in Nordamerika und auch Australien, ausgestrahlt hatten.

Für die kompetenten Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt, die für den Auslandsrundfunk der Bundesrepublik noch arbeiten oder in der Vergangenheit gearbeitet hatten, geht eine Ära zu Ende – nach fast 60 Jahren Radiomachens, zunächst aus Köln und seit 2003 aus Bonn sowie aus dem Berliner Hauptstadtstudio und Außenstudios der DW in Brüssel, Washington und Moskau.

Von drei Relaisstationen der DW soll nur eine Anlage in Kigali in Ruanda für afrikanische Hörerinnen und Hörer weiter betrieben werden, einem Land übrigens, das bei „Reporter ohne Grenzen“ fast am Ende einer Skala über die Einhaltung der Medienrechte steht.

„Menschenrechte brauchen Medien“ verkündete die DW im Juni anlässlich ihres Global Media Forums 2011, selbst verringert sie jedoch das Medienangebot durch die jüngsten Abschaltungen ihrer Radioprogramme.

Die Intendanz hat die Belegschaft zu einem multimedialen „Aufbruch“ aufgerufen - untermauert durch Begriffe wie „Konvergenz“ und „Wandel der Medienlandschaft.“ Ja. DW-TV wird ausgebaut. Ja. Online-Aktivitäten bleiben, DW-Radio wurde aber sehr reduziert.

Trimedial ist die DW kaum mehr, wie das DW-Gesetz es vorsieht.

Gerade durch die Abschaltungen bei DW-Radio hat die Geschäftsleitung der DW das weltweit gesuchte mehrsprachige Alleinstellungsmerkmal, das sie so gern gehabt hätte, aufgegeben. Eingetreten ist ein strategischer, geistiger und kultureller Gau, den der Deutsche Kulturrat als "fahrlässig" kommentiert hat.

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