Bonner Begegnungen: Das Bonn Institute

Photo: Alexandra Bartschat

Ziel des Bonn Institute ist es, Journalistinnen und Journalisten aufzuzeigen, wie sie in ihren Berichten einen „Mehrwert mit Lösungen und Perspektiven“ bieten können, erläuterte Ellen Heinrichs. Denn viele Menschen reagierten auf negative Berichterstattung mit „Stress, Flucht und Erstarrung“. Eine Untersuchung habe ergebe, dass inzwischen 65 Prozent der Mediennutzer negative Nachrichten bewusst vermeiden. Dabei sei der Anteil der jungen Menschen besonders groß. Aber auch die Burn-Out-Rate unter Journalistinnen und Journalisten sei enorm gestiegen, und ihr Weltbild negativer geprägt, was nicht nur mit den zahlreichen Krisen, sondern u.a. auch mit den vermehrten beruflichen Anforderungen hinsichtlich der Digitalisierung zu tun habe.

Aber wie kann man über schwierige Situationen positiv berichten? Ellen Heinrichs umriss in diesem Zusammenhang kurz ein theoretisches Beispiel zum Thema Armut. Man solle zuerst hinterfragen, über welchen Aspekt man berichten wolle und ob das Problem in der Öffentlichkeit schon hinreichend bekannt sei. Wichtig vor allem, einen Lösungsansatz in den Vordergrund zu stellen, d.h. gebe es Beispiele in der Kommune oder anderswo, die in diesem Zusammenhang erfolgreich gewesen seien. „Das und die Bedürfnisse der Menschen sollten im Mittelpunkt des Berichtes stehen“, führte Ellen Heinrichs aus. Also berichten darüber, was funktioniere und was nicht und offen sein für die Antworten eines Gesprächspartners „bei gleichzeitigem Verstehen wollen“.

Deutlich wurde im Gespräch mit Ellen Heinrichs, dass die ältere Generation der anwesenden Kolleginnen und Kollegen das Thema zum Teil mit anderen Augen sieht. Kein Journalist schreibe gern über Katastrophen und die Prämisse, Journalisten sehen alles negativ, würde er hinterfragen, erklärte zum Beispiel ein Teilnehmer der Runde. Er habe als ehemaliger Wirtschaftsjournalist immer „lösungsorientiert“ erfolgreiche Beispiele aufgezeigt. Ein anderer Kollege sprach allerdings auch von einem „publikumsfernen Sprechblasen-Journalismus“ der sich heutzutage breit mache. Journalismus habe sich erschreckend abgewandt von dem, was er früher einmal gelernt habe.

Es gebe inzwischen auch einen Fachkräftemangel im Journalismus, betonte Ellen Heinrichs dazu, und die Sinnhaftigkeit des Berufes werde oft hinterfragt. Doch trotz enormen Alltags- und Zeitdrucks „haben wir in Deutschland noch guten Journalismus“, erklärte sie zum Abschluss ihrer Ausführungen, denen ein paar handfeste praktische Beispiele, wie konstruktiver Journalismus konkret umgesetzt werden kann, gut getan hätte.

Monika Freitag-Doering

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