Diskrete Mathematik und konkrete Kunst
Foto: Alexandra Bartschat
Wer mal schnell eine Rechenaufgabe lösen will, macht dies heutzutage ruckzuck mit dem Handy. Doch Geräte zum Rechnen sind keine Erfindung der Neuzeit. Bereits im 17. Jahrhundert gab es Rechenmaschinen, die oft als prunkvolle Schaustücke Herrschern und Wissenschaftlern vorbehalten waren. Über das Rechnen in früheren Zeiten informierte sich die Bonner Journalistenvereinigung (BJV) im Rahmen ihres Sommerfestes. Besucht wurde das „Arithmeum“, das nicht nur ein Museum ist, sondern auch das Forschungsinstitut für Diskrete Mathematik der Universität Bonn beheimatet.
Die Sammlung historischer Rechenmaschinen mit mehr als 10 000 Exponaten gelte als weltweit führend, betonte Direktorin Prof. Dr. Ina Prinz in ihrer Begrüßung. Sie gab einen kurzen Einblick in die Entwicklungsgeschichte des Museums, die bereits in den 1970er Jahren begann, als Mechanik durch Elektronik ersetzt wurde. Der Gründer und Stifter der Museums-Sammlung, Prof. Dr. Bernhard Korte, begann damals noch während seines Mathematik-Studiums historische Rechenmaschinen zu sammeln. Diese bildeten später den Grundstock des Arithmeums, das 1999 eröffnet wurde.
Ina Prinz, heute Professorin für Mathematik- und Informatikgeschichte, galt damals mit 24 Jahren als jüngste Museumsleiterin Deutschlands. Sie unterstrich die Einzigartigkeit des klar und modern gestalteten Hauses, das eine Schatzgrube nicht nur für Fans des Rechnens ist. Neben historischen Rechenmaschinen mit prunkvollen und originellen Unikaten, wird u.a. frühe Computerentwicklung bis hin zu modernen Logikchips gezeigt. Auf großes Interesse stieß bei der Führung auch die Bibliothek des Arithmeums, die mit derzeit rund 4000 Werken der frühen Mathematikgeschichte (das älteste Werk ist eine Handschrift aus dem 14. Jahrhundert) als eine der weltbesten ihrer Art gilt. Eine derzeitige Sonderausstellung der Privatsammlung Pohl-Goldschmidt zeigt mathematische und wissenschaftliche Instrumente der Renaissance. Und auch Kunst hat im Arithmeum ihren Platz: geometrisch-konstruktive Gemälde der sogenannten „konkreten“ Kunstrichtung fallen dem Besucher ins Auge.
Im Anschluss an den informativen Besuch des Arithmeums ging es in den nahen Evangelischen Kirchenpavillon, der von den Gemeinden Bonns finanziert wird und allen Bürgerinnen und Bürgern als Bistro-Treffpunkt offensteht. Nachhaltigkeit sei bei den preisgünstigen Mahlzeiten oberstes Gebot, erklärte die Leiterin Franziska Rabus, nichts werde weggeworfen. Und nach einigen internen Informationen der beiden BJV-Vorsitzenden Lambert-Sebastian Gerstmeier und Steffen Heinze zur Situation der Bonner Journalistenvereinigung, bei der 2027 Vorstands-Neuwahlen anstehen, klang das diesjährige BJV-Sommerfest mit einem mediterranen Buffet und angeregten Gesprächen aus.
Monika Freitag-Doering
Historische Rechenmaschinen
Fotos: Alexandra Bartschat.
Bibliothek
Fotos: Alexandra Bartschat.
Privatsammlung Pohl-Goldschmidt
Fotos: Alexandra Bartschat.